Seit einiger Zeit habe ich bemerkt, dass einer meiner oberen Zähne aus der Zahnreihe herausragt. Es sieht so aus, als ob er sich nach unten bewegt hätte. Kann man diesen Prozess stoppen?
Lieber Heinrich
Sie erleben eine der langfristigen negativen Folgen eines Zahnverlusts. Zahnverlust kann nicht nur unser Selbstbewusstsein und unsere Selbstsicherheit beeinträchtigen, sondern auch unsere Sprache und Ernährung negativ beeinflussen. Wenn wir fehlende Zähne nicht ersetzen, setzt eine Kettenreaktion in unserer Mundhöhle ein, die letztlich zu schweren gesundheitlichen Problemen führen kann.
Schon der Verlust eines einzigen Zahnes kann schwerwiegende Folgen haben!
An der Stelle des gezogenen Zahnes baut sich der Kieferknochen ab.
Unser Körper ernährt kein Gewebe unnötig, das seine Funktion verloren hat. Deshalb beginnt der Kieferknochen nach der Entfernung eines Zahnes zu resorbieren. Dieser Prozess erschwert nicht nur eine spätere Implantation und macht einen Knochenaufbau erforderlich, sondern verursacht auch ästhetisch ungünstige Situationen durch Zahnfleischrückgang.
Die Zähne neben der Zahnlücke kippen in die Lücke, wodurch ein späterer Ersatz erschwert und die gesamte Zahnreihe lückenhaft wird. Durch das Kauen befinden sich unsere Zähne ständig in dynamischem Gleichgewicht und bewegen sich entsprechend den einwirkenden Kräften. Die Zähne neben der Lücke werden zusätzlich belastet und kippen, um eine gleichmässigere Kraftverteilung zu erreichen, in die Zahnlücke. Dies führt zu vielen Unannehmlichkeiten: In den entstandenen Zwischenräumen sammeln sich Speisereste, was früher oder später zu Entzündungen und schliesslich zum Verlust dieser Zähne führen kann.
Der gegenüberliegende Antagonist verlängert sich, das heisst, er „wächst“ in die Lücke hinein. Und genau das erleben Sie. Mit elongierten Zähnen muss man bei einer späteren Versorgung rechnen, da sie den Platz für den Zahnersatz einschränken. Diese Zähne müssen entweder mit einer Krone versorgt oder – wenn die Elongation zu stark ist – entfernt werden.
Es entstehen Bissabweichungen, bei denen einzelne Zähne überlastet und empfindlich werden können. Langfristig halten überlastete Zähne der erhöhten Kaubelastung nicht stand, und es setzen Knochenabbauprozesse ein. Ausserdem kann eine pathologische Bissform zahlreiche Beschwerden verursachen, wie zum Beispiel Migräne.
Doch sehen wir uns an, was noch passieren kann:
Wanderung der Nachbarzähne: Wenn die Zahnreihe unterbrochen wird und eine Lücke im sogenannten Kontaktpunktsystem entsteht, wandern die angrenzenden Zähne ohne seitliche Abstützung.
Achsenänderung der Nachbarzähne: Die Zähne neben der Lücke wandern nicht nur, sondern verändern auch ihre Achsenstellung, sie kippen also. Dadurch wirkt die Kaubelastung nicht mehr parallel zur Zahnachse, was das Kippen weiter verstärkt und sogar den Verlust dieser Zähne verursachen kann.
Elongation des Zahnes im gegenüberliegenden Kiefer: Wenn beispielsweise im Unterkiefer ein Backenzahn fehlt, wächst der gegenüberliegende Zahn im Oberkiefer mit den Jahren langsam heraus, „auf der Suche“ nach einem Partner, um seine Hauptfunktion – das Kauen – zu erfüllen. Bleibt der Ersatz aus, kann der Zahn so weit herauswachsen, dass er ins Zahnfleisch beißt oder sich durch den fehlenden Halt lockert. In solchen extremen Fällen bleibt manchmal nur die Entfernung oder Überkronung des elongierten Zahnes, um Platz für den Ersatz zu schaffen.
Überlastung der restlichen Zähne beim Kauen: Das bleibende Gebiss eines Erwachsenen besteht aus 28–32 Zähnen. Diese Kaueinheit muss einer Kraft von bis zu 800 Newton standhalten, was etwa 80 kg entspricht. Gehen Zähne verloren, bleibt die Kaubelastung gleich, verteilt sich jedoch auf weniger Zähne. Diese Überlastung führt häufig zu Zahnschmerzen oder Kiefergelenksschmerzen, die bei falscher Diagnose nicht selten mit einer Wurzelbehandlung behandelt werden.
Abnutzung durch Überlastung: Die Überlastung der Zähne kann nicht nur Schmerzen verursachen, sondern auch zu einer verstärkten Abnutzung der verbliebenen Zähne führen. Am häufigsten ist dies an den Frontzähnen zu beobachten, aber auch die Kauflächen der Seitenzähne werden flach und abgerieben. Bei extremer Abnutzung kann der Zahnnerv nahe an die Oberfläche treten und mit Empfindlichkeit signalisieren, dass etwas nicht stimmt.
Knochenabbau im Kieferkamm: An der Stelle des gezogenen Zahnes fehlt die Belastung, sodass der Körper den Knochen als überflüssig abbaut. Dieses verringerte Knochenangebot macht bei Implantaten oft Knochenaufbauten erforderlich und erschwert auch die Anfertigung anderer Zahnersatz-Lösungen.
Veränderung der Bisshöhe: Zahnverlust im Seitenzahnbereich führt langfristig zu einer Absenkung der Bisshöhe, was oft dazu führt, dass für eine prothetische Versorgung nicht genügend Platz bleibt. In solchen Fällen ist es oft notwendig, auch die vorhandenen Zähne in irgendeiner Form zu behandeln: manchmal mit Kronen, sogenannten ‚Tabletop‘-Inlays oder direkten Aufbauten (Füllungen) auf den Schneide- und Kauflächen, um die ursprüngliche Bisshöhe wiederherzustellen.
Verdauungsprobleme durch reduzierte Kaufunktion: Das Kauorgan ist das „Tor“ des Verdauungssystems. Ein vollständiges und gesundes Gebiss ist für eine adäquate Nahrungsaufnahme und Verdauung unerlässlich. Bei Zahnverlust verliert die erste Phase der Verdauung – das Zerkleinern und Aufbereiten der Nahrung – an Effizienz. Ohne Zahnersatz kann dies langfristig zu Verdauungsstörungen führen und sogar die Ursache für Magengeschwüre oder Tumorerkrankungen sein.
Ästhetische Nachteile: Schon kurzfristig führt Zahnverlust zu ästhetischen Einbußen. Doch auch langfristig verschlechtert sich das Erscheinungsbild der Zähne und des Gesichts: Falten vertiefen sich, das Kinn tritt stärker hervor, und das Gesichtsprofil wirkt älter.
Daher raten wir Ihnen dringend, umgehend eine Zahnarztpraxis aufzusuchen, um schnellstmöglich eine Lösung für Ihr Problem zu finden.
Zahnexperten Ungarn