Ich nehme an, ich bin nicht die Einzige mit dem Problem, dass ich grosse Angst vor Zahnbehandlungen habe – genauer gesagt vor den Schmerzen. Gibt es eine Möglichkeit, dass die Behandlung wirklich schmerzfrei ist?
Liebe Franziska,
Eine schmerzfreie zahnmedizinische Behandlung ist heutzutage eine selbstverständliche Erwartung!
Eine der grössten Herausforderungen in der zahnmedizinischen Praxis besteht wohl darin, die Angst der Patienten zu überwinden, dass zahnärztliche Eingriffe schmerzhaft seien. Viele Menschen haben aufgrund früherer, schlechter Erfahrungen eine solche Angst entwickelt, dass sie Zahnarztpraxen meiden – und erst dann hingehen, wenn die Beschwerden sehr stark sind oder sie akute Zahnschmerzen haben. Dabei gibt es keinen Grund zur Angst! Mit den heutigen Methoden der Schmerzlinderung und modernen Anästhetika kann jeglicher Schmerz vermieden werden.
Zur Schmerzlinderung und Angstlösung stehen verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung.
In Zahnarztpraxen wird am häufigsten die lokale Betäubung angewendet. Dabei wird das Anästhetikum mit einer feinen Nadel durch das Zahnfleisch neben den zu behandelnden Zahn gespritzt. Bei Unterkieferzähnen kann es erforderlich sein, das Anästhetikum an den Nerv zu verabreichen, der alle unteren Zähne auf derselben Seite versorgt. Dieser Nerv verläuft durch einen Kanal im aufsteigenden Ast des Unterkiefers, an dessen innerer Fläche sich eine Öffnung befindet – dies nennt man die Leitungsanästhesie. Der Eingriff ist schmerzlos, nur der Einstich der Nadel kann ein leichtes Unbehagen verursachen. Auch das lässt sich vermeiden, wenn zuvor ein betäubendes Gel aufgetragen wird. Nach der Injektion wird der Bereich um den Zahn taub, die Wirkung hält etwa 3–4 Stunden an und klingt dann vollständig ab. Wichtig ist, die Anweisungen des Zahnarztes zu befolgen und während der Wirkdauer nicht zu essen, da man sonst versehentlich in das betäubte Gewebe beissen könnte.
Zahnbehandlungen unter Vollnarkose sind ebenfalls möglich. In den meisten Fällen ist dies jedoch aus zahnärztlicher Sicht nicht notwendig und nur in speziellen Situationen gerechtfertigt. Für eine Narkose braucht es umfangreiche technische Ausstattung (Narkosegerät, spezielle Instrumente und Medikamente) sowie fachkundiges Personal (einen Facharzt für Anästhesie und entsprechend geschultes Assistenzpersonal). Während der Narkose erhalten Patienten über eine Vene Schlaf- und Muskelentspannungsmittel. Die Atmung wird dabei von einem Beatmungsgerät übernommen. Ich empfehle diese Methode vor allem bei Personen, bei denen die Kommunikation erschwert ist – etwa bei Menschen mit geistiger Behinderung oder bei kleinen Kindern. Auch bei komplexen, umfangreichen Eingriffen (z. B. Operationen, Implantationen) kann eine Narkose notwendig sein.
Sehr selten, aber wissenschaftlich anerkannt, ist auch die Hypnose. Sie gilt heute als evidenzbasierte Methode der Psychologie und Medizin, ist ein anerkanntes psychotherapeutisches Verfahren und wird auch als Ergänzung in der somatischen Medizin eingesetzt. Die Hypnose wird vor allem Menschen empfohlen, die eine unüberwindbare Angst vor zahnärztlichen Eingriffen haben oder allergisch auf örtliche Betäubungsmittel reagieren.
Eine medikamentöse Schmerzlinderung vor oder während der Behandlung ist nicht notwendig. Schmerzmittel werden in der Regel nur dann empfohlen, wenn nach dem Eingriff – also nach dem Nachlassen der Betäubung – Schmerzen auftreten könnten. Das betrifft meist chirurgische Eingriffe oder die Behandlung entzündeter Zähne oder Bereiche.
Erfahrungen zeigen, dass die Schmerzen, die Patienten zu Hause erleben, oft viel belastender sind als die Behandlung selbst. Dennoch verbinden viele Menschen den unbehandelten Zahnschmerz mit der zahnärztlichen Behandlung – obwohl diese die Lösung wäre. So funktioniert der menschliche Verstand: Er zieht scheinbar logische Verbindungen, auch wenn sie in Wirklichkeit gar nicht existieren. Zahnschmerzen zu Hause auszuhalten und den Zahnarztbesuch zu vermeiden – aus Angst vor einer möglicherweise schmerzhaften Behandlung – erscheint als eine der grössten Fehleinschätzungen und führt zu unnötigem Leid.
Vielleicht das Wichtigste zum Schluss: Suchen Sie sich einen Zahnarzt, dem Sie wirklich vertrauen können. In einer guten Arzt-Patienten-Beziehung verlaufen Behandlungen grundsätzlich anders. Die Erfahrung zeigt: Wenn Sie Ihrem Zahnarzt vertrauen, verlaufen Ihre Behandlungen erfolgreicher. Manchmal lohnt es sich, gezielt zu suchen oder gegebenenfalls zu wechseln. Und bitte nehmen Sie sich die Ratschläge der Zahnärzte zu Herzen – und zögern Sie nicht! Aufschieben ist keine Lösung, sondern führt in eine zunehmend schwierigere Lage. Je länger Sie warten, desto weniger Behandlungsmöglichkeiten bleiben.
Zahnexperten Ungarn