Vor Kurzem wurde auf einer OPG-Aufnahme festgestellt, dass in meinem rechten oberen sechsten Zahn vor einiger Zeit eine Feile abgebrochen ist und dort geblieben ist. Kann das in Zukunft schädlich sein, oder sollte sie entfernt werden? Was soll ich tun?
Lieber Teddy
Während einer Wurzelbehandlung reinigt der Zahnarzt die Kanäle im Inneren des Zahns mit sehr feinen Instrumenten. Dabei kann es leider vorkommen, dass eine dieser extrem dünnen Feilen – ein sogenanntes Wurzelkanalinstrument – während der Behandlung abbricht. Der dadurch blockierte Teil des Kanals bleibt unzugänglich und kann nicht vollständig desinfiziert werden. Infolgedessen kann auch eine bestehende Entzündung an der Wurzelspitze nicht vollständig ausheilen.
Im Falle einer abgebrochenen Feile entscheidet der Zahnarzt, ob das Bruchstück entfernt oder belassen wird – je nachdem, welche Option den Zahn am besten erhält und einen weiteren Verlust von Zahnsubstanz vermeidet. Die Entscheidung hängt ab von:
Moderne Operationsmikroskope helfen dabei, die Feile sichtbar zu machen und möglichst schonend zu entfernen. Ein abgebrochenes Instrument gilt übrigens nicht als Behandlungsfehler, sondern als Risiko der Wurzelbehandlung.
Was kann man tun?
1. Entfernung der Feile:
Wenn es möglich ist, versucht der Zahnarzt, die Feile mit speziellen Instrumenten zu entfernen. Die Arbeit mit einem zahnärztlichen Mikroskop erleichtert den Eingriff erheblich.
2. Die Feile im Zahn belassen:
Wenn die Entfernung zu viel Zahnsubstanz zerstören würde oder die Feile sehr klein ist und die Behandlung nicht behindert, kann der Zahnarzt entscheiden, sie im Zahn zu belassen.
Das ist wichtig, weil:
Der Zahnarzt wägt also den Nutzen der Entfernung gegen die Risiken des Eingriffs ab. Die Verwendung eines Mikroskops verbessert die Erfolgsquote bei der Lokalisierung und Entfernung der Feile, ohne zu viel Zahnsubstanz zu verlieren.
Die Fraktur eines zahnärztlichen Instruments ist nicht zwangsläufig ein Behandlungsfehler, sondern ein bekanntes Risiko, das in etwa 0,5–5 % der Fälle auftritt.
Im Laufe der Jahre wurden zahlreiche Techniken zur Entfernung solcher Bruchstücke entwickelt. Mit dem Einsatz von Operationsmikroskopen ergaben sich jedoch völlig neue Möglichkeiten:
Das direkte Sichtfeld erlaubt es, abgebrochene Instrumententeile gezielt zu entfernen, was die Erfolgsrate deutlich erhöht hat.
In den letzten Jahren wurden zudem immer mehr spezialisierte Instrumente für diesen Zweck entwickelt.
Die unterschiedlichen Methoden sind inzwischen gut erforscht, und Studien zeigen vielversprechende Ergebnisse.
Trotz der guten Erfolgsaussichten darf man die Nachteile nicht ausser Acht lassen:
• Die Entfernung erfordert hohes manuelles Geschick, da sie unter starker Vergrösserung erfolgt. Es ist äusserst schwierig, das Bruchstück freizulegen, ohne es zu berühren – besonders bei NiTi-Instrumenten, die leicht erneut brechen können, wenn sie zu früh mit der Ultraschallspitze in Kontakt kommen oder nicht genügend Platz geschaffen wurde.
• Oft muss zu viel Dentin aus dem Kanal entfernt werden, wodurch der Zahn dauerhaft geschwächt wird.
• Um bessere Sicht zu haben, wird der Eingriff häufig ohne Spülflüssigkeit durchgeführt, was zu einer Erwärmung des Zahnhalteapparats (Parodontiums) führen kann. Daher muss der Eingriff regelmässig unterbrochen werden, um die Gewebe abkühlen zu lassen.
• Der Eingriff ist zeitaufwendig – die Entfernung eines Bruchstücks dauert im Durchschnitt 45–55 Minuten.
Zahnexperten Ungarn